Fachbereich II: „Ehe – Familie – Partnerschaft“

Sitzung des Fach­bereiches (Mär. 2025)

„Mit Kindern über den Krieg reden“

Mit Ausbruch des Ukrainekrieges vor drei Jahren hat sich die Lage in Europa nach vielen Jahren Frieden schlagartig verändert. Sicherlich gab es in Europa bereits in den 90er Jahren in Bosnien-Herzegowina und im Kosovo Krieg und Deutschland sendete nach dem Krieg zur Friedenssicherung viele Jahre Soldaten in diese Länder.

Der Überfall Russlands auf die Ukraine ist damit allerdings nicht vergleichbar. Die Sicherheitsarchitektur ist mit Russlands Angriffskrieg ins Wanken geraten. Die Bedrohungslage führte dazu, dass die Verbündeten der NATO wieder enger zusammenrücken. Als besonderes Signal hat Deutschland bereits begonnen, in Litauen eine schwere Kampfbrigade mit ca. 5000 Bundeswehrangehörigen aufzustellen. Mit dem Ausrufen einer sicherheitspolitischen Zeitenwende ist die dauerhafte Stationierung dieser Brigade in Litauen als Leuchtturmprojekt zu bewerten.

Die Bilder von militärischen Auseinandersetzungen, massiven Zerstörungen, Flucht, Leid, Toten und Verwundeten erreichen uns täglich über alle Formen von Medien und lassen dadurch Fragen in den Familien aufkommen, für die oft selbst die Erwachsenen die Antworten fehlen.

Zur Sitzung am 15.03.2025 lud der Fachbereich Ehe-Familie-Partnerschaft die Referentinnen Peggy Puhl-Regler und Alexandra Hoff-Ressel vom Zentralinstitut für Ehe, Familie und Partnerschaft in der Gesellschaft (ZFG) der Katholischen Universität Eichstätt-Ingolstadt zu einem Vortrag ein.

Das Team des ZFG hat sich bereits seit dem Beginn des Ukrainekrieges mit dieser Thematik auseinandergesetzt und früh eine Handreichung herausgegeben. Diese Hilfestellung kann auf dem KRISENKOMPASS eingesehen bzw. heruntergeladen werden. Um die Hintergründe näher zu beleuchten und vielleicht besser zu verstehen, hat der Fachbereich Ehe-Familie-Partnerschaft die beiden Expertinnen dieses Themas zum Informationsaustausch eingeladen.

Schwerpunktthemen des Familienteams im ZFG sind im Allgemeinen:

  • Lebensbedingungen von Soldatenfamilien
  • Mobilität und Partnerschaft
  • Werteorientierung Militärseelsorge

Um an das Thema heranzuführen, wurde zu Beginn die Frage gestellt: Was löst die Nachricht vom Krieg aus? Welche Fragen kommen (möglicherweise) auf?

Diese Fragen sollten am Beispiel der fiktiven Familie Bauer, bestehend aus den Eheleuten, den 5- und 15-jährigen Kindern sowie den Schwiegereltern, näher beleuchtet werden.

In einer offenen Diskussion stellte sich schnell heraus, dass es dabei zu sehr unterschiedlichen Meinungen kommen kann. So sieht der Soldat/die Soldatin dies aus einem ganz anderen Blickwinkel als der Ehepartner/Ehepartnerin. Bei den Kindern ist das Alter entscheidend. So kann eine 5-Jährige die Inhalte und Auswirkungen bei Gesprächen oder durch Medien weniger einschätzen als ein Jugendlicher im Alter von 15 Jahren. Auf jeden Fall spüren sie, dass irgendwas nicht stimmt – auch wenn die Eltern versuchen, es herunterzuspielen. Die Schwiegereltern wiederum sehen den Krieg unter einem ganz anderen Blickwinkel.

Bedrückende Themen werden unterschiedlich wahrgenommen von

  • Säuglingen und Kleinkindern
  • Kindergarten- und Vorschulkindern
  • Schulkindern und Jugendlichen

Lösungen:

  • Kinder bis Grundschulalter: Überforderung, Verstärkung von Ängsten
  • Altersgemäß antworten (Eltern sind die Experten für ihre Kinder)
  • Schulkinder und Jugendliche: Austausch mit Gleichaltrigen und Freunden finden sicherlich statt, auch wenn es die Eltern nicht mitbekommen
  • Auf Augenhöhe miteinander sprechen

Die Gefühle der Eltern werden von den Kindern anders wahrgenommen, denn sie haben feine Antennen; negative Gefühle lassen sich nicht unterdrücken!

Kinder (in Bundeswehrfamilien) müssen ernst genommen werden und es sollte unbedingt die Wahrheit gesagt werden (hier: lieber weniger sagen, aber dafür wahr).

Welche Möglichkeiten haben wir als Eltern?
1. Medienkompetenz stärken:

  • Vorbild sein
  • Limitierte Zeit (ausgehandelt)
  • Glaubwürdige Quellen
  • Über kritischen Umgang sprechen
  • Fake News erklären
  • Nicht polarisieren

2. Vorbereitung auf schwierige Gespräche:

  • Kenntnisstand bei den Kindern erfragen
  • Sachlich bleiben
  • Bei Frage bleiben (nicht mehr Informationen geben als notwendig)
  • Einfache kurze Antworten geben
  • Ehrlich und altersgerecht antworten
  • Gesprächsbereitschaft signalisieren

Viele von uns haben es sicherlich schon selbst erlebt: Kinderfragen machen manchmal sprachlos. Oft rechnet man nicht mit dieser Frage.

Zurück zur allerschwersten Frage an Soldaten: Kannst Du sterben? Wie antwortet man auf diese Frage?

  • Darauf vorbereitet sein (wir sind gut ausgebildet)
  • Solidarität, Kameradschaft (wir passen auf uns gegenseitig auf)
  • Eigene Vorsicht (ich passe auf mich auf)
Walter Raab
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Das Foto zeigt den Vorsitzenden des Fachbereiches II: OTL Walter Raab
Geschrieben von
Walter Raab

OTL Walter Raab ist seit 2013 Vorsitzender des Fachbereiches II „Ehe, Familie und Partnerschaft“ und beleuchtet aktuelle Themen zu Familie und Dienst.

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